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Das Soziogramm

Man kann die sozialen Beziehungen innerhalb von Gruppen auch "messen". Mit dieser Aufgabe befasst sich die Soziometrie. Die graphische Darstellung dieser Beziehungen nennt man Soziogramm. Die folgende Abbildung zeigt als Beispiel das Soziogramm einer Gruppe mit fünf Mitgliedern.

 

Erstellen eines Soziogramms

Die Vorgehensweise beim Erstellen eines Soziogramms ist folgende:
Jedem Gruppenmitglied werden Fragen gestellt.
Z.B.:
Mit wem aus der Gruppe würden Sie gerne zusammen in den Urlaub fahren?
Mit wem würden Sie gerne im Zimmer wohnen?
Mit wem würden Sie gerne zusammenarbeiten?

Ähnliche Fragen werden auch negativ formuliert.
Z.B.:
Mit wem möchten Sie auf keinen Fall in den Urlaub fahren?
Mit wem möchten Sie nicht im Zimmer wohnen?
Mit wem möchten Sie nicht zusammenarbeiten?

Die positiven und negativen Wahlen werden dann in einem Diagramm eingezeichnet (siehe Abbildung). Das so entstandene Soziogramm kann interpretiert werden.

 

Abb. Soziogramm einer Gruppe mit 5 Personen 

 

Auswertung und Interpretation

Die Interpretation eines Soziogramms ist immer eine subjektive Betrachtungsweise des Auswerters. Sie muss in jedem Fall an der Realität, d.h. durch weitere Befragung und/oder Beobachtung der Gruppenmitglieder überprüft werden.

Auf Grund der getroffenen Wahlen ergeben sich aus obigem Soziogramm folgende Interpretationsmöglichkeiten:
Rollen in der Gruppe:
--
Person 3: Auf sie richten sich positive Wahlen aller anderen Gruppenmitglieder. Sie scheint also die beliebteste Person in der Gruppe zu sein. Man könnte daraus schließen, dass es sich um den Gruppenführer handelt.
-- Person 5: Sie erhält drei von vier möglichen negativen Wahlen und keine positive Wahl. Sie scheint ein Außenseiter zu sein, der von den meisten Gruppenmitgliedern aktiv abgeleht wird.
-- Person 4: Auch sie scheint ein Außenseiter zu sein, aber im Gegesatz zu 5 erhält sie überhaupt keine Wahl, weder positiv noch negativ. Daraus kann man schließen, dass sie eher ein unbeachteter Mitläufer ist.
Bildung von Untergruppen:
-- 2+3: Hier scheint er sich um ein Freundespaar zu handeln, da sie sich gegenseitig positiv wählen, aber keinen anderen aus der Gruppe.
-- 2+5: Die beiden scheinen sich nicht zu mögen, da sie sich gegenseitig aktiv ablehnen (negative Wahl).
Dynamik in der Gruppe:
-- Person 1
würde anscheinend gerne zu diesem Freundespaar (2+3) gehören, wird aber zumindest von 3 aktiv abgelehnt und von 2 überhaupt nicht beachtet. Auffällig ist, dass 1 die positiven Wahlen der Außenseiter (4+5) auf sich zieht, was darauf hindeutet, dass 1 entweder von den Außenseitern als ihr Wortführer gegenüber der Führungsgruppe (2+3) angesehen wird oder dass 1 allgemein als Vermittler in der Gruppe fungiert.

 

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